Elektrochemotherapie in der Tiermedizin

Die Elektrochemotherapie (ECT) ist eine neuartige Form der Tumorbehandlung bei Tieren, deren Bedeutung in der tiermedizinischen Onkologie aufgrund der vielseitigen und schonenden Anwendung vor allem in der Palliativmedizin wächst.

So wirkt die Elektrochemotherapie

Die Elektrochemotherapie kombiniert zwei Dinge:

  • Die Verabreichung eines Medikaments (ein Zytostatikum wie Bleomycin oder Carboplatin), das die Krebszellen bekämpft.
  • Elektrische Impulse, die direkt auf den Tumor angewendet werden. 

Der Vorteil: Die elektrischen Impulse sorgen dafür, dass das Medikament – verglichen mit einer „klassischen“ Chemotherapie – viel besser in die Tumorzellen eindringen und länger und intensiver dort wirken kann. Das macht diese Art der Krebstherapie so effektiv. 

Denn das Chemotherapeutikum Bleomycin hat in der klassischen Anwendung einen großen Nachteil: Es kann kaum in die Tumorzellen eindringen und die Therapie bleibt ohne Effekt. Genau dieses Problem löst die Elektrochemotherapie. Sie führt zu Veränderungen in der Tumorzellwand. Dadurch gelangt das Bleomycin direkt in die Zelle und wird dort eingeschlossen. Damit entsteht eine bis zu tausendfach höhere Konzentration des Chemotherapeutikums in den Tumorzellen. Gleichzeitig werden unerwünschte Effekte auf gesunde Zellen und damit Nebenwirkungen für den Rest des Körpers minimiert.

Welche Tumore können mit der Elektrochemotherapie behandelt werden?

Prinzipiell eignen sich alle gut- und bösartigen Haut- und Maulhöhlentumoren, unabhängig von der Tumorart (etwa Melanom, Sarkom oder Karzinom). Die gewebeschonenden Eigenschaften der Elektrochemotherapie ermöglichen die Therapie von Tumoren in empfindlichen Bereichen wie

  • Nasenspitze (Nasenplanum)
  • Lidrand
  • Ohrmuschel (Pinna)
  • Pfotenballen
  • im Anusbereich (perianale Tumoren)

Die Elektrochemotherapie kommt auf verschiedene Weisen zum Einsatz: Als alleinige Therapie bei mit bloßem Auge sichtbaren Tumoren oder ergänzend während oder nach einer Operation, wenn eine vollständige chirurgische Entfernung des Tumors nicht möglich ist. Dabei kann entweder das Tumorbett in der OP oder die OP-Narbe behandelt werden, um das Risiko zu reduzieren, dass aus restlichem Tumorgewebe wieder ein Tumor nachwächst (Rezidiv-Entstehung).

Obwohl es sich um eine neuartige Therapieform handelt, existieren bereits einige Studien, die sowohl die Effektivität als auch die Verträglichkeit der Elektrochemotherapie bei verschiedenen Tumorerkrankungen von Hunden und Katzen belegen. Hierzu gehören das kutane und orale Plattenepithelkarzinom (Hautkrebs und Mundhöhlenkrebs) und maligne Melanom (bösartiger Krebs der Maulhöhle) sowie verschiedene andere Tumorarten wie Mastzelltumoren, Plasmazelltumoren, Weichteilsarkome als auch Tumoren im Anusbereich.

Ablauf einer Behandlung mit Elektrochemotherapie


Vorgehensweise

  1. Das Tier bekommt eine Vollnarkose.
  2. Das Fell im Behandlungsfeld wird geschoren und die Haut desinfiziert.
  3. Bei Hunden und Katzen wird das Zytostatikum intravenös gegeben, im Großtierbereich wird es direkt in den Tumor injiziert.
  4. Innerhalb von 8 Minuten verteilt sich das Medikament im Körper des Patienten.
  5. Anschließend erfolgt die sogenannte Elektroporation, bei der mithilfe von Nadeln die elektrischen Impulse über den gesamten Tumorbereich appliziert werden. Die Anzahl und Tiefe sowie die Stärke der Elektro-Impulse erfolgt je nach Wahl der Sonde mit unterschiedlicher Anordnung der Nadeln.

Nach der Behandlung

Wenige Stunden nach der Behandlung, sobald sich der Patient von der Narkose erholt hat, wird er wieder entlassen.

Heilungsverlauf

In den meisten Fällen zeigt sich nach 2-4 Wochen die volle Wirkung der Therapie. Während dieser Phase können verschiedene Veränderungen an der behandelten Körperstelle beobachtet werden, die den Rückgang des Tumors begleiten:  

  • eine leichte Schwellung und Hautrötung unmittelbar nach der Behandlung
  • vorübergehender Haarausfall nach wenigen Tagen
  • trockene Krusten auf der Haut

Begleitsymptome des Tumors wie beispielsweise Niesen und Nasenbluten bei Tumoren im Nasenbereich sowie Blutungen und Entzündungen von Tumorgewebe in der Maulhöhle verschwinden bereits wenige Tage nach der Therapie.

Nachsorge

Um Belecken und Kratzen der behandelten Stelle zu vermeiden, kann für das Tier ein Halskragen oder Verband für einige Tage entscheidend sein. Die Patienten werden während der Wundheilungsphase über 5-7 Tage mit einem entzündungshemmenden Schmerzmittel und ggf. Antibiotikum unterstützt.

Anzahl der Behandlungen

Die Anzahl der Therapiesitzungen hängt von der Tumorgröße, aber auch der Tumorart und der Lage des Tumors ab. In der Regel sind 1-2 Behandlungen ausreichend.

Fazit: Die Elektrochemotherapie bietet viele Vorteile

  • Effektive Behandlungsmethode
  • Geringe Nebenwirkungen
  • Im Regelfall sind wenige Sitzungen nötig, dadurch reduziert sich der Stress für die Tiere
  • Vielseitige Einsetzbarkeit bei Haut- und Maulhöhlentumoren

 © Katja Winger, AniCura Stuttgart, 2025

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